Nachtschicht auf der Piste

Wenn es Nacht wird an der Lenk, starten sie die Motoren. Mit 11 Pistenfahrzeugen präparieren sie Nacht für Nacht alle Pisten frisch. Bei gutem Wetter sind die Männer von 17.00 Uhr an unterwegs und fahren bis weit nach Mitternacht jeden Meter Piste ab.

Täglich präparieren

Auf einer gut besuchten Piste verfrachten die Schneesportler jeden Tag den Schnee von der Pistenmitte nach aussen und talwärts.

Ohne das tägliche Präparieren wären auch bei guten Schneeverhältnissen die Pisten innert Tagen braun und unbrauchbar. Vor 30 Jahren wurden die Hänge einfach mit Wasser vereist, damit wenigstens die unterste Schicht die Saison überstand. Heute würde man mit einer solchen Piste sicher keinen Preis mehr gewinnen.

Der Räumschild schiebt den verfrachteten Schnee wieder zur Pistenmitte und nach oben. Die Raupen pressen den Schnee zu einer kompakten Decke. Am Heck des Pistenfahrzeugs sorgt die Fräse für lockeren Schnee auf der Oberfläche. Sie «häckselt» Schnee und Eis so fein, dass hinter ihr der Schnee locker und pulvrig ist, wie wenn er eben erst vom Himmel gefallen wäre.

Ganz frisch!

DEN LETZTEN SCHLIFF ZUR PERFEKTEN PISTE ÜBERNIMMT DER FINISHER.

Die dicke Gummimatte sorgt für das typische Rillenmuster im Schnee. Das ist weit mehr als einfach ein sichtbares Merkmal für frisch präparierte Pisten.

Durch die Rillen wird die Oberfläche der Piste vergrössert. Je grösser die Oberfläche ist, desto besser für den Sinterprozess, der jetzt einsetzt und viel Zeit braucht. Am besten acht Stunden, bevor die ersten Gäste mit Jauchzen die jungfräulichen Flächen in Besitz nehmen.

Beim Sintern verbinden sich die einzelnen Schneekörner miteinander, ohne zu schmelzen. Je näher die Temperatur bei Null Grad liegt, desto besser funktioniert das. Die miteinander verbundenen Schneekörner bilden mit der Zeit eine stabile und feste Unterlage, ohne eisig zu werden.

SO ENTSTEHT EINE KOMPAKTE PISTE MIT GUTEM GRIFF.

Früher fuhren die Pistenfahrzeuge auch am Tag. Dass man sie heute tagsüber nicht mehr sieht, liegt nicht etwa am Sparwillen der Bergbahnen. Es gibt dafür zwei gute Gründe.

Erstens sind Pistenfahrzeuge naturgemäss harte, eckige Objekte, die sich auch noch bewegen können. Weiche, schnelle Skifahrer und harte bewegliche Objekte vertragen sich schlecht auf der gleichen Piste – bei näherer Kontaktaufnahme wäre das Ergebnis immer unerfreulich.

Zweitens braucht die Piste – wie oben schon beschrieben – nach der Präparation viel Zeit, um überhaupt kompakt zu werden. Direkt hinter dem Finisher ist die frische Piste weich und würde innert kürzester Zeit schlechter aussehen, als vor dem Pistenfahrzeug.

Die Natur hat das letzte Wort

NEUER SCHNEE IST IMMER GUT, AUSSER NACHTS.

Wenn es in der Nacht schneit, bleibt den Männern, die ja einen guten Job machen wollen, nur die Wahl zwischen zwei nicht wirklich befriedigenden Möglichkeiten. Fahren sie am Abend, hat die Piste zwar genug Zeit, zu sintern und fest zu werden, aber am Morgen bedeckt sie frischer Schnee, der binnen weniger Stunden ziemlich chaotisch auf der Piste verteilt sein wird und nicht das schönste Pistenbild abgibt.

Fahren die Männer erst gegen morgen – in der Regel ab 3.00 Uhr – hat die Piste, je nach Temperatur, keine Zeit mehr, fest zu werden. Das Resultat ist für die pingeligen Nachtarbeiter in jedem Fall unbefriedigend. Letztlich muss man sich hier dann eingestehen, dass Skifahren auch noch im 21. Jahrhundert – zum Glück – ein Naturerlebnis ist, das nicht in allen Details vom Menschen kontrolliert werden kann.

An die Leine genommen

Einige der Pistenfahrzeuge besitzen einen Aufbau mit einem kranähnlichen Gebilde. Es ist eine Seilwinde, die mit dem Motor gekoppelt ist. Das Drahtseil kann bis zu 1’200 Meter lang sein. Befestigt an einem fixen Ankerpunkt lässt sich das Stahlseil kontrolliert abwickeln und einholen. Die Kraft der Winde reicht zwar nicht aus, um das schwere Gefährt den Hang hochzuziehen, aber sie unterstützt das Pistenfahrzeug. Dadurch verlieren die Raupen weniger schnell ihren Grip. Durchdrehen ist auf der Piste nämlich ziemlich schlecht. Die schweren Maschinen würden sich blitzartig durch die Schneedecke wühlen und hässliche Löcher hinterlassen.

Ganz ungefährlich sind die langen Stahlseile aber nicht. Besonders für nachtaktive Skifreaks können sie zur lebensgefährlichen Bedrohung werden. Wenn die Pistenfahrzeuge am Seil von einer Seite der Piste auf die andere wechseln, bleibt das fingerdicke Seil zunächst im Schnee hängen. Erst unter Zug schnellt es dann von einer Pistenseite auf die andere. Wer dort stehen würde, hätte schlechte Karten. Deshalb sind die offiziellen Pistenöffnungszeiten (respektive die letzte Pistenkontrolle) wirklich ernst gemeint und sollten eingehalten werden.